Eine Reise nach La Paz, meiner geliebten Geburtsstadt in Bolivien, eröffnete mir 2015 eine Welt neuer Möglichkeiten. Bei MUNAIPATA, der Kaffee-Manufaktur in Coroico, traf ich René Brugger, dessen Leidenschaft und Vision für den Kaffee mich sofort begeisterte. Die unberührte Natur, die herzlichen Menschen und die faszinierende Kultur Boliviens berührten meine Seele und ließen mich seitdem nicht mehr los.

 


2017 folgte ich dem Ruf meines Herzens und halb auf der Farm – ein unvergessliches Erlebnis, das mein Feuer für die Kunst des Kaffees weiter entfachte. Ich wollte mehr erfahren, mehr erleben. 2019 erlangte ich in Berlin meinen Barista-Master und konnte meine Leidenschaft für Kaffee in vollen Zügen leben.


Im Dezember 2020 wagte ich den mutigen Schritt, mein eigenes Café zu eröffnen – einen Ort, der Geschichten von Liebe und Hingabe in jeder Tasse Kaffee erzählt. Hier können Sie die exquisite Kaffeekultur Boliviens entdecken, wo der reine Geschmack und die feinen Nuancen der Bohnen lebendig werden.

Die Corona-Pandemie stellte uns im TRES LLAMAS Café, wie so viele andere, vor immensen Herausforderungen. Lange Zeit durften wir unsere Gäste nicht empfangen, mussten strenge Regeln befolgen und konnten das gemütliche Beisammensein nicht genießen. Doch wir hielten durch, und langsam füllte sich unser Café. Es war schön zu sehen, wie ihr die Zeit bei uns Genossen habt und uns treu geblieben seid.

Trotz meiner Zufriedenheit verspürte ich den Drang, es besser zu machen. Ich entschloss mich, einen räumlichen Neuanfang zu wagen. In dieser Phase war mir klar, dass ich weitermachen wollte – aber wo? Als Quereinsteiger in der Gastronomie fehlen mir Anfänge und wahrscheinlich immer noch das umfängliche Wissen für die wichtigen entscheidenden Aspekte, um langfristig erfolgreich zu sein. Ein entscheidender Teil davon war der Standort. Wenn man, wie ich, alles allein stemmt, hat man oft nicht den nötigen Überblick und die Energie, die benötigt wird.

Nach vielen Besichtigungen von Immobilien dauerte es fast zwei Jahre, bis ich den perfekten Standort fand. Ich wollte mich verbessern, und ich war überzeugt, dass ich dies am neuen Standort erreichen würde. Die Entscheidung zu treffen, war nicht schwer, doch was darauf folgte, stellte erneut meine Gelassenheit und mein Vertrauen auf die Probe.

In der Zeit, in der das Café geschlossen war, reiste ich zurück in meine Heimat. Dort erfuhr ich mit großer Traurigkeit, dass MUNAIPATA durch Corona stark getroffen wurde. Die Auswirkungen auf den Tourismus, die Kaffeeproduzenten und den Export waren verheerend. Es war ein drückendes Gefühl, mitanzusehen, wie ein Teil meiner Leidenschaft und Verbindung zu Bolivien zu verschwinden drohte.

MUNAIPATA braucht dringend einen Nachfolger, jemanden, der die Vision und den Traum weiterträgt, um die Tradition der exzellenten Kaffeeproduktion aufrechtzuerhalten. Diese Erkenntnis schmerzte, doch sie weckte in mir auch den Antrieb, nicht nur für mein Café weiterzukämpfen, sondern auch für all die Menschen, die hinter dem Kaffee stehen, den ich so liebe.

In dieser Zeit ergab sich ein neuer Kontakt in Bolivien: Ann-Kathrin, eine Importeurin, die Kaffee aus Bolivien nach Deutschland importiert und geröstet. Sie lebt in Berlin mit ihrem bolivianischen Mann. Ich nutzte die Gelegenheit und besuchte eine Kaffeeplantage, mit der sie zusammenarbeitete. Es war eine wunderbare Erfahrung, die mir einen weiteren tiefen Einblicke in die Arbeit der Bauern vor Ort ermöglichte.

Die Freude und Hingabe, mit der die Familien arbeiten, inspirierte mich erneut. Der direkte Kontakt zu den Produzenten, die Geschichten hinter dem Kaffee und die Möglichkeit, einen Kaffee aus meinem Geburtsland Bolivien in Deutschland zu präsentieren, machen mich glücklich. Ann-Kathrin und ich teilen nicht nur die Leidenschaft für Kaffee, sondern auch den Willen, die bolivianischen Kaffeeproduzenten zu unterstützen. Gemeinsam wollen wir eine Basis des Bewusstseins für die Schönheit und Qualität des bolivianischen Kaffees schaffen, um sicherzustellen, dass die Traditionen und Träume der Landwirte nicht in Vergessenheit geraten.

2025 / Karina Stummreiter